Bilanz selbst erstellen: Geben Sie Ihre Finanzen nicht aus der Hand!

Bilanz selbst erstellen: Geben Sie Ihre Finanzen nicht aus der Hand!

Wie viel Geld kommt im nächsten Jahr in die Kasse? Kann ich es mir leisten, einen weiteren Mitarbeiter einzustellen? Wird mein Unternehmen im nächsten Monat alle Rechnungen begleichen können oder muss ich mir Alternativen überlegen?

Als Geschäftsführer stellen sich Ihnen oft solche und ähnliche Fragen zu Ihren Finanzen. Diese Fragen können Sie aber nur mit letzter Gewissheit beantworten, wenn Sie die Bilanz selbst erstellen!

Bei dem Gedanken an die Stapel von Belegen, die Sie für die Bilanzierung auswerten müssten, vergeht Ihnen jetzt schon die Lust? Wir wollen Sie motivieren! Also zeigen wir Ihnen, warum sich der Aufwand lohnt, die Bilanz selbst zu erstellen.

Ein Beispiel: Der große Überblick, den Sie durch die Bilanzierung gewinnen, gibt Ihnen die Möglichkeit, bares Geld zu sparen!

Gut zu wissen: Wenn wir Sie in diesem Artikel überzeugen können, Ihre Bilanz selbst zu erstellen, helfen wir Ihnen auch gleich bei der Bilanzierung: In den Artikeln „So erstellen Sie Ihre Bilanz – in zwei Teilen! Teil 1: Aufbau Aktiva“ und „Teil 2: Aufbau Passiva“ lernen Sie – quasi von der Pike auf –, wie Sie die Bilanz für Ihr Unternehmen selbst erstellen.

 

Welche Unternehmen sollten die Bilanz selbst erstellen?

Einige Unternehmen sind zur Buchführung verpflichtet und müssen am Ende des Jahres eine Bilanz erstellen. Ob Ihr Unternehmen dazu gehört, können Sie demnächst ganz einfach mithilfe unseres Artikels zur Buchführungspflicht herausfinden.

Die anschließende Frage, ob Sie das selbst machen oder einen Steuerberater beauftragen, sollte sich nach der Lektüre dieses Artikels erübrigen. Es sprechen viele gute Gründe dafür, die Aufgabe selbst zu übernehmen!

Freiwillige Bilanzierung?

Ist Ihr Unternehmen nicht buchführungspflichtig, müssen Sie die Bilanz am Ende des Jahres nicht erstellen. Die Argumente, die wir Ihnen in diesem Artikel vorstellen, werden Sie aber vielleicht überzeugen, es freiwillig zu tun – und zwar selbst.

Nur wenn Ihr Unternehmen noch sehr klein und übersichtlich ist, Ihre Kunden gestellte Rechnungen immer sofort bezahlen und Sie selbst wenig zu begleichen haben, wird sich das Erstellen der Bilanz für Sie nicht lohnen.

 

Grund 1: Bessere Liquiditäts- und Finanzplanung

Wenn Sie die Bilanz selbst erstellen, bekommen Sie einen ganz genauen Überblick darüber, welche Gelder auf Ihrem Konto jetzt und in den kommenden Monaten ein- und abgehen, wie viele Rücklagen Ihr Unternehmen hat und welche Verbindlichkeiten bei Lieferanten und Banken bestehen.

Ohne diesen Überblick ist eine Liquiditäts- und Finanzplanung quasi gar nicht möglich. Mit dem Erstellen der Bilanz bereiten Sie sich also zugleich auf wichtige Bereiche der Unternehmensplanung vor.

Aktuelle Zahlen

Lagern Sie Bilanzierung und Buchführung aus, liegen Ihnen nicht die aktuellsten Zahlen vor. Sie geben dann Ihre Belege ab und müssen bis zur nächsten Auswertung warten. Und die Auswertung erfolgt möglicherweise nicht monatlich, sondern in größeren Zeitabständen.

Das schränkt Sie in Ihrer Handlungsfreiheit ein, denn viele wichtige Entscheidungen können Sie nur treffen, wenn Sie die finanzielle Lage Ihres Unternehmens jederzeit genau kennen. Zum Beispiel:

  • Grundlagenentscheidungen: Lohnt sich das Vorhaben noch bzw. schon?
  • Investitionsentscheidungen: Kann ich mir den neuen Mitarbeiter, die neue EDV-Anlage oder Maschine gerade leisten?
  • Liquiditätsplanung:
    • Können alle bekannten und erwarteten Rechnungen und Steuervorauszahlungen beglichen werden?
    • Wie viel Geld wird im nächsten Monat oder Quartal voraussichtlich reinkommen?
    • Kann ich aktuell Geld aus der Firma für den privaten Gebrauch entnehmen oder muss ich Geld zuschießen?

Wenn Sie Ihre Belege monatlich selbst verbuchen, haben Sie immer direkten Zugriff auf Ihre Zahlen und können viel schneller und flexibler handeln, also bessere Finanz- und Liquiditätspläne erstellen.

So erkennen Sie auch früher, wenn Ihr Unternehmen in Liquiditätsschwierigkeiten kommen sollte und können rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen. Weitere Tipps zu diesem Thema bekommen Sie demnächst in unseren Artikeln zu Liquiditätsengpässen und Liquiditätsproblemen.

 

Grund 2: Mehr Bewertungswahlrechte des Vermögens

Da die Bilanz über die finanzielle Situation Ihres Unternehmens Auskunft gibt, hängt von der Bilanz auch ab, wie viel Steuern Sie zahlen müssen.

Normalerweise freut man sich natürlich, wenn das eigene Unternehmen einen möglichst großen Gewinn gemacht hat. Je höher der Gewinn ist, desto mehr Steuern müssen Sie allerdings auch zahlen!

Wenn Sie die Bilanz selbst erstellen, können Sie Ihr Vermögen aber auch selbst bewerten und evtl. geplante Investitionen schon auf der Bilanz als solche kennzeichnen. Dadurch wird ein Teil Ihres Gewinns bereits als Ausgabe verbucht und die Steuern fallen entsprechend geringer aus.

Demnächst erfahren Sie in unserem Artikel zum Thema Steuern sparen, wie Sie beim Erstellen der Bilanz beispielsweise vom Investitionsabzugsbetrag und von Teilwertabschreibungen profitieren.

 

Grund 3: Möglichkeit der Bildung von Rückstellungen

Wenn Sie die Bilanz selbst erstellen, können Sie Rückstellungen bilden für Zahlungen, mit denen Sie im nächsten Jahr fest rechnen, beispielsweise Pensionen von Mitarbeitern oder Geldbußen. Das hat den Vorteil, dass Sie auf diese Summen auch keine Steuern mehr bezahlen müssen.

Wenn Sie nur eine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) erstellen, haben Sie diese Möglichkeit nicht, denn bei der EÜR können nur tatsächliche Zahlungen berücksichtigt werden!

 

Grund 4: Auch potenzielle Anteilseigner und Banken interessieren sich für Ihre Bilanz

Wenn Sie einen Kredit bei der Bank beantragen wollen, müssen Sie die Bilanz vorlegen. Die einfache EÜR reicht den Kreditgebern nicht aus, denn aus ihr lässt sich die tatsächliche finanzielle Lage Ihres Unternehmens nicht eindeutig ablesen.

Auch potenzielle Anteilseigner werden nur in Ihr Unternehmen investieren, wenn sie sich zuvor ein genaues Bild von der Ertragslage Ihres Unternehmens machen können, sprich, wenn Sie eine Bilanz vorlegen können.

In beiden Fällen wollen Sie sicher wissen, welchen Eindruck Ihre Bilanz eigentlich vermittelt. Und natürlich sicherstellen, dass alle Möglichkeiten, sich in das beste Licht zu rücken, auch ausgenutzt wurden.

 

Grund 5: Wenn Sie zukünftig bilanzieren müssen

Es ist zu erwarten, dass Ihr Unternehmen im kommenden Jahr so viel Umsatz machen wird, dass Sie buchführungspflichtig werden? Warum sollten Sie dann noch warten? Erstellen Sie schon jetzt die eigene Bilanz!

Dadurch sind Sie dann optimal vorbereitet, können die Bilanzen der beiden Geschäftsjahre miteinander vergleichen und haben die ohnehin notwendige Umstellung bereits gemeistert.

 

Grund 6: Sie können es selbst am besten!

Da Sie selbst am besten über Ihre Einnahmen und Ausgaben sowie Rücklagen und Verbindlichkeiten Bescheid wissen, sparen Sie viel Zeit beim Selbstbilanzieren, denn Sie müssen niemand Externen erst in alle Prozesse einweisen. Von dem Geld, das Sie dabei einsparen, mal ganz abgesehen!

Außerdem können Sie davon ausgehen, dass niemand sonst die Bilanz für Ihr Unternehmen so sorgfältig und gewissenhaft erstellen wird, wie Sie selbst. Es geht um Ihr Unternehmen, Ihren finanziellen Erfolg, Ihre Bilanz!

Wenn Sie Angst haben, dass Sie beim Erstellen der Bilanz etwas falsch machen könnten, dann seien Sie beruhigt! Mit den Anleitungen „So erstellen Sie Ihre Bilanz – in zwei Teilen! Teil 1: Aufbau Aktiva“ und „So erstellen Sie Ihre Bilanz – in zwei Teilen! Teil 2: Aufbau Passiva“ wird das Erstellen der Bilanz bald so selbstverständlich für Sie wie Fahrrad fahren.

Vergessen Sie Ihre Ängste und machen Sie sich an die Arbeit! Erstellen Sie die erste eigene Bilanz!

 

Die Bilanz erstellen und Erfolge feiern

Ein weiterer schöner Nebeneffekt der Bilanzierung ist, dass Sie den wirtschaftlichen Erfolg Ihres Unternehmens immer direkt mitbekommen und nicht erst Monate später.

Sie können Erfolge sofort feiern. Und nicht nur das! Sie gelangen auch schneller zu mehr Erfahrung in der Unternehmensführung. Sehen Sie die Bilanz nicht als Klotz am Bein, sondern als die Erfolgsquelle, die sie ist!

Wer den Grundstein für eine gelungene Bilanzierung noch legen muss, nämlich die Buchführung, erfährt demnächst im Artikel zur Buchführungspflicht alles Wichtige.